S.H. der 14. Dalai Lama

Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama

Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, ist spirituelles Oberhaupt der Tibeter. Seine weltliche Macht hat er an ein demokratisch gewältes Exilparlament abgegeben. 1935 in Amdo (Tibet) geboren, lebt er seit 1959 im indischen Exil. Für sein Engagement gegen die Unterdrückung seines Volkes und für Gewaltverzicht wurde er 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

"Dalai" ist das mongolische Wort für "Ozean" und "Lama" heißt auf tibetisch "spiritueller Lehrer". Der Titel Dalai Lama wird mit "Ozean der Weisheit" übersetzt. Die Dalai Lamas werden als Manifestationen von Avalokiteshvara, der Verkörperung des Mitgefühls aller Buddhas betrachtet, die wiedergeboren werden, um den Lebewesen zu dienen.

S.H. der 14. Dalai Lama wurde am 6. Juli 1935 mit dem Namen Lhamo Döndrub in Taktser, einem Dorf in der tibetischen Provinz Amdo im Nordosten Tibets geboren und hat vier Brüder sowie zwei Schwestern.

Im Alter von knapp zwei Jahren wurde er von vier Mönchen anhand einer Vision des Regenten, von Orakelsprüchen und anderen Vorzeichen als Wiedergeburt des 1933 verstorbenen 13. Dalai Lama aufgefunden. Berichtet wird, dass er als Kind sowohl einen als Diener verkleideten hohen Lama spontan als „Lama aus dem Kloster Sera“ erkannte als auch etliche Gegenstände aus dem Besitz des 13. Dalai Lama, die ihm neben ähnlichen Gegenständen gezeigt wurden, als sein Eigentum erkannte.

Lhamo Döndrub wurde im Rahmen des Neujahrsfestes am 22. Februar 1940 im Potala-Palast als 14. Dalai Lama inthronisiert. Sein neuer Name lautete damit: Jetsün Jampel Ngawang Lobsang Yeshe Tenzin Gyatso ("Heiliger Herr, gütiger Herr, mitfühlender Verteidiger des Glaubens, Ozean der Weisheit"). Tibeter sprechen vom Dalai Lama normalerweise als Yishin Norbu („alle Wünsche erfüllender Edelstein“) oder einfach als Kundün (Gegenwart).

Am 17. November 1950 wurde dem damals 15-jährigen Dalai Lama die weltliche Herrschaft über Tibet übertragen. Am 17. März 1959 musste der Dalai Lama vor dem anrückenden Chinesischen Heer ins indische Exil nach Dharamsala flüchten, wo er sich seitdem aufhält und durch Demokratisierung der Exilgemeinde, durch Lehre und persönliches Vorbild für die religionsfreiheit und die Menschenrechte in vom China besetzten Tibet eintritt.
Kurz bevor er floh hatte er seinen Geshe-Titel (Doktor der buddhistischen Theologie) am Jokhang-Tempel erlangt, nachdem er sich in philosophischen Debatten mit Mönchen der Klöster Drepung, Ganden und Sera bewährt hatte.
Seine Heiligkeit der Dalai Lama genießt weltweit höchstes Ansehen. Sein unermüdlicher Einsatz für die Freiheit Tibets und den Frieden in der Welt wird hoch geschätzt. 1989 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Das Nobelpreiskomitee schrieb in seiner Begründung u.a.: "Der Dalai Lama hat seine Friedensphilosophie auf der Grundlage von großer Ehrfurcht vor allen Lebewesen und der Vorstellung einer universellen Verantwortung, die sowohl die gesamte Menschheit, als auch die Natur umfasst, entwickelt."

Buchempfehlung: Dalai Lama, "Der Mittlere Weg - Glaube und Vernunft in Harmonie" erschienen im Verlag Diederichs, München 2010. ISBN: 978-3-424-35012-8.